Seit 40 Jahren gibt es den Ferien(s)pass im Landkreis Erlagen-Höchstadt schon. Eine ganz schön lange Zeit! Viele der Kinder, die in den 80er Jahren teilgenommen haben, sind inzwischen selbst Eltern oder sogar Großeltern. Was hat sich geändert im Verlauf der Jahre und wie hat sich das Angebot entwickelt? Darüber habe ich mit Helmut Bayer gesprochen. Er ist der Leiter der kommunalen Jugendarbeit im Landkreis Erlangen-Höchstadt und kreiert den Ferien(s)pass zusammen mit seiner Mitarbeiterin Claudia Müller jedes Jahr aufs Neue.

Lieber Helmut, Du bist schon sehr lange im Amt für Kinder Jugend und Familie tätig. Seit wann bist Du für den Ferien(s)pass zuständig und woher kam eigentlich die Idee dazu?

Initiiert wurde der Ferien(s)pass 1982 durch den damaligen Landrat Franz Krug. Die Idee war dabei, auch Kindern, die nicht in den Urlaub fahren, spannende Ferien zu ermöglichen. Ich habe die Organisation des Ferien(s)passes 1993 übernommen.

Was hat sich im Laufe der Zeit verändert, wenn man 1982 mit 2021 vergleicht?

Der Ferien(s)pass hatte 1982 einen Umfang von 17 Gutscheinen und war für 6 DM zu haben. Anfang der 90er Jahre wurde die 100-Seiten-Grenze überschritten. Es beteiligten sich immer mehr Einrichtungen, und es gibt seitdem zusätzlich Schnupperangebote und Tagesfahrten. Die Freizeitlandschaft hat sich auch insgesamt vergrößert, z.B. durch Sommerrodelbahnen, Kletterwälder und Abenteuerparks. Außerdem versuchen wir seit Jahren verstärkt auch Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen die Teilnahme zu ermöglichen. Das Gutscheinheft ist aktuell für 5 Euro zu haben. 1982 wurden 1200 Ferienpässe verkauft und bis zur Pandemie-Zeit durchschnittlich 2600 pro Jahr. Etwa 20% davon werden immer kostenfrei über den Allgemeinen Sozialdienst und das Sozialamt abgegeben.

Gibt es Angebote, die schon immer dabei sind?

Von Anfang an gab es vergünstigte Eintritte in die Freizeitparks Geiselwind, Schloss Thurn und die Westernstadt in Plech (inzwischen geschlossen) sowie in verschiedene Museen und in den Tiergarten Nürnberg. Kurz danach kamen die Bäder im Landkreis dazu.

Die Tagesfahrten scheinen sehr beliebt zu sein. Wer betreut die Kinder dabei und wie ist der Personenkreis qualifiziert?

Unser Betreuerteam besteht aus ehrenamtlich in der Jugendarbeit Tätigen, die über den Kreisjugendring zum Ferien(s)pass gekommen sind. Einige sind schon von Anfang an dabei. Das Betreuerteam hat eine Alterspanne von 18 bis 66 Jahren und umfasst gegenwärtig etwa 35 Personen. Die Leitungen der Fahrten haben entweder eine pädagogische Ausbildung oder besitzen die Jugendleitercard (Juleica), ein bundesweit einheitlicher Ausweis für ehrenamtlich Tätige in der Jugendarbeit. Das Team wird auch im Rahmen des jährlichen Vorbereitungsseminars zum Ferienpass regelmäßig geschult.

Was würdest Du sagen, ist der „Renner“ beim Ferien(s)pass?

Als erstes ausgebucht ist immer die Fahrt ins Legoland nach Günzburg. Im Großen und Ganzen sind aber alle Angebote gut nachgefragt. Wichtig ist uns die Vielfalt des Angebots, um möglichst viele Interessen zu treffen und eine ausgewogene Mischung aus kreativen und erlebnisorientierten Elementen anbieten zu können.

Wie habt Ihr auf die Pandemie reagiert?

Im Jahr 2020 war lange unklar ob es überhaupt einen Ferienpass geben kann. In Absprache mit den anderen Landkreisen haben wir uns aber dazu entschlossen. Das Programm musste jedoch notgedrungen reduziert und einschränkt werden. Trotzdem konnte eine Vielzahl von Angeboten unter den entsprechenden Auflagen stattfinden.  Auch in diesem Jahr ist leider nur ein reduziertes Programm möglich und wir müssen zum zweiten Mal auf unser Aushängeschild, die Tagesfahrten, verzichten.

Gibt es für Dich ein persönliches Highlight aus der langen Zeit der Organisation des Ferien(s)passes?

Ja, seit etwa 30 Jahren gibt es eine Konstante im Angebot der Tagesfahrten: „Aktiv auf dem Bauernhof“, eine Fahrt ins Bauernhofmuseum im Altmühltal. Dabei ist die Mischung aus Spiel, Spaß, Selbermachen, Ausprobieren und vielem mehr vielleicht am stimmigsten. Da lasse ich es mir nicht nehmen, alle paar Jahre als Betreuer selbst mitzufahren.

Vielen Dank für das Gespräch! Interview: Katja Engelbrecht-Adler